Leipzig. Fotografie seit 1839 - Pressestimmen

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13. März 2011
Schaut mal lieber auf diese Stadt!
Leipzig ist Buchstadt. Leipzig ist Lesestadt. Nächste Woche vorallem. Das weiß jeder, und das stimmt auch. Was weiß man noch? Malerei. Leipziger Schule und so. Aber ist auch hinreichend bekannt, dass viel wichtiger, traditionsreicher und prägender in Leipzig eigentlich die Fotografie ist? Leipzig, die Fotoheldenstadt! Seit es 1839 losging mit der Fotografie, war Leipzig dabei. Hier hat Robert Capa das Ende des Zweiten Weltkrieg fotografiert, der letzte Soldat dieses Kriegs, den er fotografierte, ist ein Amerikaner und liegt erschossen auf einem Leipziger Balkon. Hier hat Ursula Arnold 1956 mit ihrer „Zeitungsfrau“ gezeigt, dass Realismus nicht unbedingt sozialistisch, aber auch sozial interessiert sein muss. Hier zeigte sich überhaupt, dass eine Fotografie, die ideologisch zurechtgebürstet werden soll, eben schon aus Gründen des Realismus diese Ideologie immer vor allem eher in Frage stellt. Hier gab es gleichzeitig immer die schönsten Mädchen und die heruntergekommensten Hinterhöfe der gesamten DDR, und wenn das einer zusammenbrachte, wie Peter Langner, dann wurde ihm Strafverfolgung angedroht. Wer damals im Osten Fotografie studiert hat, hat das in Leipzig getan. Und nach der Vereinigung haben die Leipziger Fotografieklassen eines Peter Piller oder Timm Rautert eine ganze Generation heute maßgeblicher Fotografen geprägt, darunter Tobias Zielony. Und das Beste daran: Es gibt trotzdem keine Leipziger Schule der Fotografie. Es gibt nur unglaublich viele starke Fotografen.
Gleich drei Leipziger Museen zeigen sie alle jetzt in einer einzigen Mammutschau (bis 15. Mai); ein Kunstereignis eigenen Rechts ist aber das Buch dazu: „Leipzig. Fotografie seit 1839“ ist erschienen im Leipziger Passage-Verlag, kostet 39 Euro und ist spektakulär.

NÄHER dran Nr. 31/März–Mai 2011, Literaturtipps
Leipzig. Fotografie seit 1839“
Passage-Verlag, 1. Aufl., 630 Abb., 360 S, 39 Euro
Das repräsentative Buch erschien anlässlich der Ausstellung „Leipzig. Fotografie seit 1839“, die noch bis 15.5.2011 in drei Leipziger Museen gezeigt wird. Es dokumentiert die fotografische Tradition Leipzigs und mit ihr zugleich die Geschichte dieses Mediums, zu der neben einer Vielzahl von künstlerischen Handschriften auch die in den Museen, Bibliotheken und Archiven aufbewahrten fotografischen Schätze gehören.

PHOTO International 04/2011
Ein Ort der Kunst und Fotokunst
[...] Zur Ausstellung erschienen ist ein üppiger Katalog, dessen eingestreute Anzeigen ein wenig irritieren. Hätten sich Saturn, Dicolor oder Total nicht mit einem Logo zufrieden geben können? Aber Sponsoring ist eben etwas anderes als Mäzenatentum. An der Opulenz, am Faktenreichtum ändert dies nichts. In der Summe ist dies ein facettenreicher Gang durch die Fotografiegeschichte, beginnend mit der Daguerreotypie, die erstaunlich früh in Leipzig Fuß fassen konnte, über die Ästhetik des Piktorialismus bis hin zu dem, was längst als „Neue Leipziger Schule“ in der Fotografie auch international für Gesprächsstoff sorgt. Schöpfen konnte die Ausstellung aus reichen Beständen, die offenbar den Krieg unbeschadet überstanden hatten, darunter Bildkonvolute im Stadtarchiv (345 000 Aufnahmen), im Stadtgeschichtlichen Museum (103 000) oder Staatsarchiv (540 000 Aufnahmen)
Von Leipzig aus
Allein die Statistik zeigt: Leipzig war von Anfang an und über gut 150 Jahre ein bedeutender Ort auf der Landkarte der Fotografie, allerdings immer ein wenig im Schatten von Berlin, München oder Köln, wo man sich einfach früher um die wissenschaftliche Aufarbeitung der lokalen Fotogeschichte gekümmert hat. Der mächtige Katalog setzt hier korrigierend an. Gegliedert ist das Buch, dem Ausstellungsprojekt folgend, in drei Kapitel, die sich an fotografie- bzw. zeitgeschichtlichen Zäsuren orientieren: 1839 bis 1917, 1918 bis 1961 und 1962 bis heute. Die flankierenden Essays beschäftigen sich grundsätzlich mit dem Medium, vertiefen lokale Besonderheiten oder rücken führende Vertreter der Leipziger Fotografie in den Mittelpunkt. Dass sich Namen wie Nicola Perscheid, Hajo Rose, Evelyn Richter oder Olaf Martens mit Leipzig verbinden, wusste man. Wie wichtig die Stadt für das Medium tatsächlich war und ist, wird erst mit diesem reich illustrierten Katalog erkennbar.

Kasseler Fotoforum, Thomas Wiegand, 1.4.2011
Die Fotogeschichte einer Stadt
Leipzig von 1839 bis heute
[...] Der dicke Katalog nivelliert ein wenig die Unterschiede, die an den drei Ausstellungsorten zu bemerken waren und füllt auch die DDR-Lücke mit Material auf. Das Buch nähert sich seinem Thema in etlichen Spezialaufsätzen, so über den als Neuentdeckung in der Ausstellung mit einem eigenen Raum gewürdigten Arbeiterfotograf Fritz Böhlemann (1892–1978) oder über das „Erbe der Magnum-Fotografen im ‹Land der angehaltenen Zeit›“. Der Katalog ist wie die Ausstellung in drei Teile gegliedert. Jeder Teil wird von einem prägnanten historischen Überblickessays eingeleitet, dem die vier bis sieben Aufsätze folgen. Die jeweils abschließenden Bildbeispiele sind der Ausstellung entnommen; das Verzeichnis der Exponate liegt lose bei. Am Schluss steht ein kurzer Überblick zur Charakterisierung ausgewählter Fotosammlungen in Leipzig (allerdings ohne Adressen – anders als 2006 bei einem entfernt verwandten Buch zur Dresdener Situation). Die Ausstellung mag vielleicht bald vergessen sein; an ihrem Katalog wird allerdings jeder nicht herumkommen, der sich mit der Geschichte der Fotografie in Leipzig und darüber hinaus in der DDR zu beschäftigen gedenkt.
Ein Postscriptum sei mir noch gestattet. Man sollte doch bitte die Werbung im Katalog nicht negativ bewerten wurde mir in Leipzig gesagt. Nein, das tue ich natürlich nicht, bin sogar froh, dass es das Buch mit Hilfe der Sponsoren überhaupt gibt. Solange diese nicht aus die Inhalte Einfluss nehmen und nicht für Waffen oder ähnliches geworben wird, spielt es doch wirklich keine Rolle, ob die Umschlagklappen eines Katalogs und Freiräume nach den Aufsätzen mit Anzeigen bedruckt sind oder nicht. Schön ist das sicherlich nicht, aber es handelt sich ja um ein wissenschaftliches bzw. dokumentierendes Werk und nicht um ein Kunst- oder Künstlerbuch, wo die Ästhetik durch die Einschübe aus der Warenwelt Schaden nehmen könnte... Die Werbung per se ist nicht peinlich, sondern die Tatsache, dass die Museen und der Verlag den Katalog mangels entsprechender Mittel anders nicht zu finanzieren vermochten!

 

Welt kompakt, Laura Fölmer, 20.4.2011
Drei Museen, eine Stadt
Ein Streifzug in Bildern durch 172 Jahre Leipzig
Ein umfangreicher Bildband zeigt die ausgestellten Werke auf 360 Seiten und ordnet sie thematisch ein.
Auf Seite 241 lächeln dem Betrachter des Bildbandes junge Frau in stahlblauer FDJ-Uniform entgegen. Einige Seiten später sieht man ein Foto von zwei Volkspolizisten, die damals grimmig an Gerhard Gäbler vorbei geschaut haben, als er sie im Oktober 1989 auf dem 40. Jahrestag der DDR ablichtete. Und dann ist da dieses idyllische Bild von einem Jäger auf einer Waldlichtung, das Fotograf Johannes Mühler 1930 gemacht und „Auf verbotenem Pfad“ genannt hat. Vergleicht man diese Fotos mit Olaf Martens Bild zweier Frauen, die nackt und aneinandergekuschelt auf einem Balkon aus Beton liegen, könnte man sich schon fragen, was diese extrem verschiedenen Fotos miteinander verbindet. [...] Für alle, die nicht die drei Museen der Stadt besuchen können, in denen die Werke der mehr als 190 Künstler ausgestellt sind, bietet der Passage-Verlag einen umfangreichen Ausstellungskatalog, der alle fotografischen Werke abbildet und mit jeweils kurzen Texten einordnet.
Einen Überblick über die Geschichte der Fotografie im Bezug auf die sächsische Stadt umrahmt das Werk. Der frühen Fotografie in Leipzig, der „Fragilen Schätze zwischen Bedrohung und Bewahrung“ ist genauso ein Kapitel gewidmet wie den „ Braunen Bildern – Fotografie im Nationalsozialismus“ oder den „ Neuansätzen in der Leipziger Fotografie der achtziger Jahre“. Genau wie die Ausstellung ist auch der Katalog in drei Abschnitte eingeteilt. Im Grassi Museum für angewandte Kunst sind die Anfänge der Fotografie und ihre Entwicklung bis ins frühe 20. Jahrhundert zu sehen. Dabei liegt der Fokus auf dem Wandel vom Unikat zum Massenprodukt, der unbeschränkte reproduzierbaren Papierfotografie. Im Stadtgeschichtlichen Museum sind Fotografien vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Mauerbau 1961 ausgestellt. Seltene Fotodokumente gehören dazu, ebenso wie Architekturfotografien, motiviert durch die Bautätigkeiten der 20er Jahre, der sich viele Fotografen widmeten. Die Bildwelt der Zeit des Nationalismus ist nur in Ansätzen überliefert, wird aber anhand einiger herausragender Beispiele dargestellt.
Die Dokumente des Ausstellungsteils im Museum der bildenden Künste reicht von 1961 bis heute und umfasst ein besonders vielfältiges Kapitel der Fotografie in Leipzig. Sozialistische Aufbauleistungen und der „Sozialstaat auf Pump“ kommen ins Bild.
Abgebildet sind sowohl die Fotos der staatlichen gelenkten Presseagenturen, die Durchhalteparolen knipsten, aber auch die Werke von Fotografinnen und Fotografen, die die Auswirkungen der Misswirtschaft dokumentiert haben und die Arroganz der Macht ins Bild gerückt haben. Im letzten Teil der Dokumentation sind die Werke einer Bandbreite junger Künstler vertreten, die die umfangreiche Vielfalt der zeitgenössischen künstlerischen Fotografie darstellt. Der Bildband ermöglicht eine Zeitreise der besonderen Art durch die Stadt Leipzig. Anspruchsvolle Fotomontagen mischen sich mit alltäglichen Motiven, die aber nicht weniger schön sind – und die Stadt Leipzig in allen ihren vielen Facetten zeigen.

Leipziger Volkszeitung, Bert Endruszeit, 29.4.2011
Gefährdete Schätze
Fotoschau rückt Daguerreotypien ins Licht der Öffentlichkeit
[...] Doch eines bleibt: Daguerreotypien verkörpern nicht nur die Geburt der Fotografie, sondern sind auch ästhetisch bedeutend. Sie waren zur Zeit ihrer Entstehung einem exklusiven Publikum vorbehalten. Den Machern des Ausstellungskatalogs ist es zu verdanken, viele Daguerreotypien buchstäblich in ein besseres Licht zur rücken. Denn die Motive auf den winzigen Originalen sind oftmals nur schwer erkennbar.

Leipziger Volkszeitung, Thomas Mayer, 14/15.5.2011
Leipzig ist Fotografie
Letztes Wochenende einer großen Ausstellung – was bleibt, ist ein Buch
Am Wochenende ist im Museum der bildenden Künste, im Stadtgeschichtlichen Museum und im Grassi Museum zum letzten Mal die Ausstellung „Leipzig. Fotografie seit 1839“ zu sehen. Wesentlichen Anteil an dem bis dato einmaligen gemeinsamen Projekt hat der Verleger Thomas Liebscher (Passage-Verlag).
Anfang 2007 saß Liebscher mit Richard Hüttel (Bildermuseum), Bernd Sander (Leipziger Blätter) zusammen, um ein Sonderheft der Leipziger Blätter zum Thema Max Klinger zu konzipieren. „Dabei fielen uns einige zeitgenössische Fotos in die Hände, die uns inspirierten, umfassender über das Thema Fotografie in Leipzig nachzudenken. Das Ergebnis war, gemeinsam mit der Kulturstiftung Leipzig ein Sonderheft der Leipziger Blätter herauszubringen“, erinnert sich Liebscher.
Nachdem dann schon die ersten bestellten Autoren-Beiträge in der Redaktion eingegangen waren, fand ein Krisengespräch statt. Die Krise bestand freilich allein darin, dass die Fülle der Foto-Themen ganz einfach mehr verlangte als nur ein Heft mit 92 Seiten. Liebscher schlug vor, eine Ausstellung und einen Katalog anzustreben. Zwei Jahre vergingen, bis ein Partner für das Ausstellungsprojekt gefunden war – das Grassi Museum für angewandte Kunst. Fördermittel wurden beantragt. Die Maschinerie kam ins Rollen. Auch die beiden anderen städtischen Museen (Stadtgeschichtliche und bildende Künste) wollten mitmachen. Liebscher: „Eine bis dato einmalige Kooperation der drei Museen war eine verlockende Angelegenheit. Jetzt waren andere Dimensionen möglich, jetzt waren aber auch andere Konzeptionen nötig. Dass die Ausstellung letztlich zustande kamen, lag am Wollen aller beteiligten.“
Zu Liebschers Lieblingsfotos gehören die Porträts von Eduard Wehnert und seiner Frau Bertha Wehnert. Sie waren selbst Pioniere des neuen Mediums Fotografie. Kaum war die Daguerreotypie 1839 in Paris ans Licht der Welt gelangt, widmeten sie sich als einige der ersten in Leipzig diesem Medium. Liebscher: „Es müssen total spannende Momente gewesen sein, so eine technische Revolution erleben zu können.“
Weitere Lieblingsbilder des Verlegers sind Leipziger Ansichten in alltäglichen Situationen, bei denen die dargestellten Orte Jahrzehnte später immer noch erkennbar sind – wie auf dem Foto mit den Kindern auf dem Nikolaikirchhof, die das gleiche Pflaster vor sich haben wie die Leipziger 81 Jahre später, als hier die Friedliche Revolution ihren Lauf nahm. Oder das Hochwasser-Foto von 1954 in der Reichelstraße und das Foto einer Schafsherde in der Hildebrandstraße in Connewitz.
Noch am Wochenende sind in drei Leipziger Museen einmalige Foto-Kunstwerke zu sehen. Was von dieser Ausstellung bleibt, ist das wunderbare Buch, das dank Liebscher im Passage-Verlag erschienen ist.

Rundbrief Fotografie Vol. 18, Philipp Freytag, Juni 2011
[...]Der Katalog
Der umfangreiche Katalog folgt der Dreiteilung der Ausstellung. Er enthält zwei Vorworte (eines von den drei Museumsdirektoren und eines von Christoph Tannert), je zwei bis drei einführende Essays zu den drei Ausstellungsteilen sowie vier bis acht Aufsätze pro Kapitel zu einzelnen Fotografen oder zeitgenössischen Tendenzen. Jedem der drei Teile ist zudem ein ausführlicher, kommentierter Katalogteil angefügt. Komplettiert wird das Ganze durch einen Überblick über die verschiedenen Leipziger Fotosammlungen, gefolgt vom Anhang mit Kurzbiografien der Fotografen und einem Register.
Während das Vorwort von Christoph Tannert leider den Eindruck einer gewissen Konzeptlosigkeit bestätigt, zählen die einleitenden Essays zu den drei Ausstellungsteilen fraglos zu den Stärken des Buches. Insbesondere die Beiträge von Kaufmann und Patzig zur Frühzeit der Leipziger Fotografie und jene von Jeannette Stoschek zur Fotografie der 1950er sowie der 1960er und 1970er Jahre bieten wissenschaftlich fundierte, faktenreiche Einführungen in ihre Themengebiete und fungieren somit zugleich als Rückgrat des gesamten Katalogs. Die weiteren Aufsätze indes sind vonunterschiedlicher Prägnanz. Konzentrierten Beiträgen, etwa von Andreas Krase über Frank Eugene Smith, Wolfgang Hesse über Fritz Böhlemann oder auch T.O. Immisch über die Leipziger Fotografie der 1980er Jahre, stehen, zwar kenntnisreich, aber stark anekdotisch gehaltene Texte gegenüber, wie jene von Andreas J. Mueller über Johannes Mühler oder Florian Ebner über die HGB-Fotografie nach 1993.
Wiederholt verstellt hier eine zu ausgeprägte Innensicht den Blick auf größere fotohistorische Zusammenhänge, was leicht zu einer Überbewertung des Gegenstands gegenüber zeitgenössischen Tendenzen führt. Überdies fehlt es oft an einer bewußten Auseinandersetzung mit der zum Teil ja durchaus bestehenden Forschung, wodurch eine Chance zum wissenschaftlichen Dialog vertan wird. Zu bedauern ist in diesem Zusammenhang auch, daß man keine Bibliographie zum Thema erstellt hat – zumal in den Anmerkungen der verschiedenen Aufsätze einige relevante Titel auftauchen. Vergleichbares gilt für den biografischen Anhang, in dem die Informationen zu den namenhaftesten Fotografinnen und Fotografen wie auch zu den jüngsten HGB-Absolventen, die ohne größeren Aufwand im Internet oder zu in aktuellen Ausstellungskatalogen zu recherchieren wären, erheblich länger ausfallen als solche zu Fotografen, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Hilfreich wäre schließlich auch ein Glossar zu relevanten Institutionen, Verlagen, Zeitschriften und ähnlichem mehr gewesen, um dem im Vorwort formulierten Anspruch, ein „Kompendium der Leipziger Geschichte der Fotografie“ zu bieten, gerecht zu werden.
Positiv hervorzuheben ist die reiche Illustration des Katalogs bei durchweg hoher Reproduktionsqualität, die eine eingehende visuelle Nachlese der Ausstellung ermöglicht, ergänzt um Vergleichsbeispiele, die nicht in der Ausstellung gezeigt wurden. Hier wäre es allerdings unbedingt wünschenswert gewesen, man hätte deutlich gekennzeichnet, welche Fotografien  in der Ausstellung gezeigt wurden und welche nicht (auch das fehlen von Katalognummern muß hier moniert werden). Problematisch ist weiterhin der überaus freie Umgang mit den Formaten der den Reproduktionen zugrunde liegenden Abzüge. So werden die Originalmaße, die ja eigentlich wichtige Aussagen zur Entstehungszeit und der ursprünglichen Verwendung der Bilder enthalten, gestalterischen Belangen in einem über unvermeidliche Kompromisse hinausgehenden Maße untergeordnet, so daß die inhärenten Bildinformationen verloren gehen. Dieser Vorgang wird dadurch, daß die Originalmaße bei vielen Abbildungen überhaupt nicht ausgeführt werden, zusätzlich verschärft und spiegelt letztlich die allgemeine Tendenz wider, die Fotografen zu dekontextualisieren. Geradezu einen Tabubruch stellen auch die großflächigen Werbeanzeigen dar, die in stattlicher Zahl an prominenten Stellen wie etwa den Innenklappen des Umschlags platziert sind – glücklicherweise jedoch, von einer Ausnahme abgesehen, nicht in die Bild- und Textblöcke integriert wurden. Mutmaßlich ein notwendiger Schritt zur Finanzierung des Katalogs, sollte ein solch Vorgehen jedoch nicht Schule machen.[...]

 

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